Geschäftsbericht 2015DEENCN
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Vom Frittenfett

zum Biodiesel

Alkoholate helfen als Katalysatoren dabei, natürliche Öle und Fette in Biodiesel umzuwandeln. Die Spezialitäten von Evonik ermöglichen es, dabei noch stärker auf besonders nachhaltige Rohstoffquellen zu setzen.

Sie sind fettig und mögen nicht besonders gesund sein dennoch kann fast niemand einer Tüte knuspriger Pommes widerstehen. Dass sich Frittenfett sinnvoll weiterverwerten lässt, wissen hingegen nur wenige. Das könnte sich ändern. Denn aus Altspeisefetten ließen sich in großem Stil umwelt- und klimaschonende Biokraftstoffe fürs Auto herstellen. Biodiesel, der auf Altspeiseölen oder anderen Abfällen basiert, spart gegenüber fossilem Diesel mehr als 80 Prozent des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid ein. Und der Nachschub ist gesichert: Allein in Deutschlands Gastronomie fallen jährlich rund 200.000 Tonnen Altspeisefett an. Ähnliches Potenzial bieten die Privathaushalte.

Zwar basieren die meisten Biokraftstoffe heute noch immer auf nachwachsenden Rohstoffen wie Raps oder Soja, doch die Bedeutung von abfallbasiertem Biodiesel ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen. Seit 2011 hat sich der Anteil von Altspeiseölen und anderen Reststoffen im Rohstoffmarkt für Biodiesel fast verdoppelt.

Als weltweiter Marktführer tragen wir mit unseren Alkoholaten dazu bei, dass Ressourcen geschont werden.Henrik Hellmanns

Leiter Produktbereich Alkoholate

Die Europäische Union fördert Biokraftstoffe aus Abfällen insbesondere auch deshalb, weil sie im Gegensatz zu speziell angebauten Rohstoffen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen und als Recyclingprodukt besonders hohe Treibhausgaseinsparungen erzielen. Selbst in Brasilien und in den USA, wo in besonders großem Stil Soja angebaut wird, wächst auch die Bedeutung von abfallbasiertem Biodiesel kontinuierlich.

Um Biodiesel zu produzieren, setzen Unternehmen weltweit Alkoholate von Evonik Industries ein. Im Herstellungsprozess machen Natriummethylat und Kaliummethylat als Katalysatoren die nötige Umesterung von pflanzlichen Ölen und tierischen Fetten in Biodiesel erst möglich.

Natriummethylat ist der weltweit am häufigsten verwendete Katalysator. Bereits seit Jahren ist er bei der Herstellung von Biodiesel aus nachwachsenden Rohstoffen erfolgreich im Einsatz. Bei der Produktion von Biodiesel aus Altspeiseölen hingegen ist Kaliummethylat das Mittel der Wahl, da Altspeiseöle einen erhöhten Anteil an frei en Fettsäuren enthalten, die als anfallende Seifen den Produktionsprozess erschweren. Mit Kaliummethylat als Katalysator entstehen leichter zu handhabende Kaliumseifen, der Prozess wird robuster, der Gesamtertrag steigt und ebenso die Qualität des Biodiesels.

Dabei steht Kaliummethylat möglicherweise erst am Anfang einer großen Karriere. Denn einer Studie zufolge könnten noch viel mehr Reststoffe sinnvoll verwertet werden. Würden alle zur Verfügung stehenden Abfälle in der Europäischen Union in Biokraftstoffe umgewandelt, könnte damit bis zum Jahr 2030 rund 16 Prozent des gesamten Kraftstoffbedarfs gedeckt werden. So wäre es möglich, pro Jahr bis zu 37 Millionen Tonnen fossilen Kraftstoffs einzusparen. Das würde auch der Umwelt sehr gut schmecken.

Mit seinen Hochleistungs-Alkoholaten beliefert Evonik zahlreiche Wachstumsmärkte. In der Pharmaindustrie etwa werden sie zur Synthese von Wirkstoffen, aber auch zur Herstellung von Gesundheitspräparaten wie den Omega-3- und Omega-6-Kapseln aus Fischöl eingesetzt.