Geschäftsbericht 2015DEENCN
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Freie Fahrt

auf hoher See

Weil der Schutz vor Bewuchs die Schifffahrt effizienter und nachhaltiger macht, suchen Reeder und Schiffsbauer wirkungsvolle Anti-Fouling-Lackierungen. Evonik macht heutige Rezepte besonders effektiv und arbeitet an denen von morgen.

400 Meter lang und mit gut 80.000 Pferdestärken gerüstet, haben die größten Containerschiffe, die derzeit auf den Weltmeeren unterwegs sind, nicht selten bis zu 19.000 Container oder knapp 200.000 Tonnen Fracht an Bord. Und doch: Ein hartnäckiger Widersacher für diese Giganten der Meere ist mikroskopisch klein.

Als sogenannter Anwuchs oder in der Fachsprache „ Fouling“ bilden winzige Mikroorganismen und Algen einen schleimigen Biofilm auf jedem Schiffsrumpf, der lange genug im Wasser ist – egal ob Luxusjacht oder Hochseefrachter. Hat sich dieser „weiche Bewuchs“ erst einmal eingerichtet, folgen etwas später Muscheln, Seepocken und dergleichen als „harter Bewuchs“. Die blinden Passagiere erhöhen nicht nur das Gewicht des Schiffs, sie fördern auch die Korrosion der Außenhaut, wodurch häufigere Wartungen im Trockendock nötig werden. Vor allem aber erhöhen sie den Strömungswiderstand, weil nur ein sauberer und glatter Schiffsrumpf optimal durch Wasser gleitet.

Wir liefern nicht nur die Bausteine für leistungsstarke Lacke. Wir verstehen auch sehr genau, was sie leisten müssen und in welchem Umfeld.Jürgen Lorösch

Leiter Paints & Coatings Industry Team

Letzteres hat immense Auswirkungen auf die Energieeffizienz der Schifffahrt – und damit die Kosten und die Klimabilanz. Bis zu 40 Prozent mehr Kraftstoff verbraucht ein Containerschiff durch starkes Fouling. Bei einem Verbrauch von teilweise über mehrere Hundert Tonnen Bunkeröl pro Tag fällt das stark ins Gewicht. Allein deshalb setzen Reeder und Schiffsbauer auf wirksames Anti-Fouling. Dahinter stecken Schiffslacke, die möglichst lange den Bewuchs fernhalten.

Den wichtigsten Anti-Fouling-Wirkstoff gegen die Schädlinge kannten schon die Römer: Metalle wie Blei und Kupfer halten Organismen davon ab, sich anzusiedeln. Die Farben, mit denen Schiffe heute gestrichen werden, enthalten daher Kupferverbindungen. Die typische rote Farbe verdanken Schiffsrümpfe von Frachtschiffen dem Kupferoxid im Lack. Lacke für Sportboote basieren dagegen meist auf dem weißen, aber deutlich teureren Kupferthiocyanat.

Um es vor den Elementen und auch korrosiver Ladung zu schützen, wird jedes große Frachtschiff heute mit mehreren Hundert Tonnen Lack gestrichen. In praktisch allen Beschichtungen – vom Deck bis in die Ballastwassertanks stecken Produkte von Evonik, welche die Widerstandsfähigkeit gegen den rauen Schiffsbetrieb verbessern.
In den Lackformulierungen für das Anti-Fouling sorgen Evonik-Produkte zudem dafür, dass sich immer wieder feinste Schichten ablösen, um neues Kupfer darunter zu entblößen. So bleibt der Rumpf länger sauber, und es werden seltener Stopps im Trockendock fällig. Zudem lässt sich der gleiche Effekt mit weniger Kupfer erzielen – ein ökologischer wie ökonomischer Vorteil.

Gemeinsam mit Lackherstellern und Forschungseinrichtungen arbeitet Evonik zudem an neuen Formulierungen und neuen Anti-Fouling-Systemen. Besondere Effektivität und Nachhaltigkeit sind das Ziel. So könnten in Zukunft Lacke ganz ohne Kupfer Oberflächen schaffen, die jede Anhaftung schon mechanisch verhindern – eine Art Lotuseffekt für Hochseeriesen. Die blinden Passagiere der Hochseeriesen hätten dann womöglich auch den letzten Schrecken verloren.

Spezialitäten von Evonik helfen auch gegen ungewollte Anhaftungen ganz anderer Art: Ein spezieller Oberflächenschutz schützt Fassaden vor Graffiti-Attacken. Sprühfarben und Marker werden sofort abgewiesen und können leicht entfernt werden. Der Schutz überdauert mehrere Jahre in voller Witterung und zahlreiche Reinigungen.