Geschäftsbericht 2015DEENCN
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Ideen zum 

blühen bringen

Mit Venture Capital investiert Evonik Industries in Start-ups und ihre disruptiven Technologien. Dabei geht es nicht allein um Rendite, sondern auch um Partnerschaften und neue Märkte.

Eine geniale Idee, eine Garage und jede Menge Enthusiasmus – so geht der Gründungsmythos legendärer Start-ups. Tatsächlich steckt deutlich mehr dahinter. Und genau daran scheitern die meisten. Denn eine Idee allein ist noch kein Produkt, und ein Produkt allein ist noch kein Geschäftsmodell. Der Weg dahin ist weit und führt zum Beispiel durch das Valley of Death, das Tal des Todes. So nennt man in der Szene jene Phase, in der Tech-Start-ups Produktionen und Belegschaften aufbauen müssen, ehe sie Einnahmen generieren. Gerade Start-ups, die nicht digitale Dienstleistungen, sondern handfeste Produkte und Technologien realisieren, müssen hier tief in die Tasche greifen. Durchstehen lässt sich das am ehesten mit einem gehörigen Vorschuss an Kapital und Vertrauen.

Evonik Industries weiß das und hat sich darauf spezialisiert, genau solche Unternehmen zu begleiten und zu finanzieren. Venture Capital heißt die Einheit, die seit 2012 in vielversprechende Start-ups investiert, die ihre Laborphase hinter sich haben und bereit sind, ihre Erfindung marktreif zu machen. Insgesamt 100 Millionen € sollen mittelfristig über spezialisierte Fonds, vor allem aber in Form von Direktinvestments fließen. Aussichtsreiche Kandidaten dafür zu finden ist Aufgabe des achtköpfigen Teams von Evonik Venture Capital. Betriebswirte, Physiker, Chemiker und Ingenieure gehören dazu. Was sie eint, sind lange Erfahrung im Chemiegeschäft, ein kritischer Blick auf vermeintlich Innovatives und ein guter Draht in die operativen Einheiten des Konzerns. Denn die Investments sollen bei allem Wagnis vor allem eins sein: solide. Und sie müssen zu der Strategie und den Märkten von Evonik passen.

Über 500 junge Firmen nehmen die Experten pro Jahr unter die Lupe. Deutlich über 80 Prozent werden gleich in der ersten Runde ausgesiebt. Am Ende kommen drei bis fünf Start-ups für ein Investment infrage. Weil ihre Innovation mindestens einen Markt von Evonik verändern könnte. Oder weil sie neue Märkte für Technologien von Evonik eröffnet.

Wir sind nicht auf der Suche nach Hypes oder dem Facebook von morgen. Wir investieren in Technologien, die unsere eigenen Märkte fundamental verändern könnten.Mark Redshaw

Investment Director, Evonik Venture Capital

Wie unterschiedlich diese disruptiven Technologien aussehen können, zeigt der Reigen der bisherigen Direktinvestments – von Nanolinsen für die digitale 15 Gestenerkennung über Hochleistungsschmierstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen bis hin zu individuell angepassten Einlegesohlen aus dem 3-D-Drucker reicht das Spektrum. Acht Unternehmen gehören bislang zum Portfolio, bis zu 20 sollen es werden. Auch 2015 kamen wieder vier neue hinzu:

Das kanadische Start-up Wiivv Wearables produziert individualisierte Einlegesohlen mithilfe des 3-D-Drucks. Das finnische Medizinunternehmen Synoste ermöglicht mit seinem neuartigen Implantat, orthopädisch notwendige Beinverlängerungen für Patienten deutlich schonender vorzunehmen.

JeNaCell, eine Ausgründung der Universität Jena, hat ein biotechnologisches Verfahren entwickelt, um Nanozellulose zu produzieren. Damit lassen sich zum Beispiel Brandverletzungen besser versorgen. Die niederländische Airborne Oil & Gas verfügt über eine einzigartige Verbundwerkstofftechnologie, mit der sich flexible Leitungen für die Offshore-Förderung von Öl und Gas herstellen lassen, die leicht und dabei extrem stabil sind.

Durch das Investment von Evonik kommen auch diese Technologien dem kommerziellen Erfolg ein Stück näher. Dabei geht es für Evonik nicht nur um Rendite, sondern auch um Partnerschaften, in die Evonik seine Infrastruktur sowie das geballte Markt- und Anwendungswissen von fast 33.000 Mitarbeitern einbringt – ein unschätzbarer Vorteil in dieser sensiblen Phase. Im Gegenzug erhält Evonik Zugang zu hellen Köpfen außerhalb des Konzerns und fördert frische Ideen, die Märkte und vielleicht unsere Welt in eine neue Richtung bewegen könnten.

In Marl sowie in Außenstellen in den USA und China betreibt Evonik Industries seinen eigenen „Brutkasten“ für disruptive Technologien: In der strategischen Innovationseinheit Creavis arbeiten interdisziplinäre Teams aus internen und externen Forschern und Entwicklern gemeinsam an Innovationen, die großes Potenzial haben, aber auch noch langen Atem erfordern.